Kreativ-Manifest Frankfurt Rheinmain 1.0

Juni 9th, 2009

Präambel

Die Region sieht sich im Aufbruch und hat dabei die Kreativität entdeckt: Doch das Konzept einer Kreativregion Frankfurt Rheinmain wird nicht greifen, so lange Kreative als domestizierbarer Standortfaktor und Kulturschaffende als altruistische Kämpfer ohne nennenswerten Marktwert allenfalls geduldet werden.

Als Impulsgeber ist die kürzlich von Albert Speer & Partner vorgelegte Denkschrift begrüßenswert: Indem zahlreiche Defizite und Entwicklungsfelder angerissen werden, zeigt sich der seit langem konstatierte akute Handlungsbedarf in Öffentlichkeit und Politik noch deutlicher. Er umfasst aus unserer Sicht nicht nur vielfältige Politikbereiche, sondern ebenso Werte und Haltungen einer urbanen Gesellschaft im 21. Jahrhundert.

Mit dem Ziel, die aktuelle Debatte zur Kreativregion Frankfurt Rheinmain voranzutreiben, zu konkretisieren und ihr eine neue Richtung zu geben, melden sich jetzt hier Künstler, Kreativarbeiter, Kulturschaffende und Andere aus Frankfurt Rheinmain zu Wort. Wir sind Teil der urbanen Gesellschaft und möchten mit unserer Erfahrung und Expertise mitgestalten - insbesondere, wenn es um die Zukunft Frankfurt Rheinmains als kreativer Lebens- und Arbeitsraum geht.

Über unsere hier thematisierten wesentlichen Ideen und Forderungen hinaus werden wir uns als Kreative weiter vernetzen und Verantwortung für die Gestaltung der Region übernehmen.

Wir plädieren für einen grundlegend freien Kreativitätsbegriff, der über die derzeit opportune Florida’sche Verengung zu Gunsten einer reinen Ökonomisierung hinaus geht: Wer kreative oder kulturelle Leistung initiiert, produziert oder auswertet, ist für uns ein Kreativschaffender.

Gerade wenn Kreativität und Innovationsfähigkeit die erfolgsentscheidenden Ressourcen der Wirtschaft im 21. Jahrhundert darstellen, sind zunehmende Freiräume für Kunst und Kultur jenseits ökonomischer Kategorien unabdingbar. Kreativität ist wertvoll, aber nicht zwangsläufig und unmittelbar wertschöpfend - und entzieht sich der stringenten Berechenbarkeit. Erinnert werden soll schließlich auch an die integrative, Werte stiftende Funktion von Kreativität gerade in Zeiten gesellschaftlichen Wandels und ökonomischer Konflikte bei zunehmender Neoliberalisierung sämtlicher Gesellschaftsbereiche.

Kreative Individuen oder so genannte Kreative Industrien profitieren mehr noch als andere von wechselwirksamer Inspiration und benötigen ein höchstmöglich heterogenes, offenes Umfeld.

Wir fordern daher mit diesem Manifest von den politisch Verantwortlichen das deutliche Bekenntnis und förderliche Rahmenbedingungen für die Kreativschaffenden in Frankfurt Rheinmain.

Als freie Gruppe Gleichgesinnter haben wir hierzu das vorliegende Papier verfasst, das vielfältige Kräfte und Ideen sammelt, bündelt und ihnen Gehör verschaffen will. Es dokumentiert den momentanen Stand unserer Diskussion und soll in den kommenden Monaten weiter entwickelt werden.

Wir rufen alle Kreativschaffenden in Frankfurt Rheinmain auf, sich hier aktiv einzubringen.

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1. Kreatives Schaffen liebt Vielfalt

Inspiration ergibt sich vor allem aus vielfältigsten Anregungen, die weder monokausal noch planbar sind. Ziel der urbanen Entwicklung muss es aus diesem Grund sein, unterschiedlichste kulturelle und kreative Angebote sowie Leistungen lokal zu verankern. Das schließt auch eine Vielfalt in den Lebensentwürfen und die Internationalität kultureller, wirtschaftlicher und gesellschaftspolitischer Aktivitäten mit ein: Eine tolerante und weltoffene Region hat auch ein erhöhtes kreatives Potenzial - soweit folgen wir Floridas These. Der gezielte Ausbau dieser zweifellosen Stärke der multikulturellen Region Frankfurt Rheinmain soll auch Kreativschaffenden zu Gute kommen.

Deshalb erachten wir die Bildung einer übergreifenden Institution und Lobby als sinnvoll, welche die Interessen der Kreativschaffenden wahrnimmt. Sie fungiert als Mittler und unterbreitet Angebote, die für Kreativschaffende zugleich harte und weiche Standortfaktoren darstellen, zum Beispiel indem sie Netzwerkfunktionen unterstützen. Ein solcher Verband bedarf der öffentlichen Unterstützung und Anerkennung.

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2. Kreatives Schaffen lebt von Hochkultur UND kulturellen Experimenten

Die kulturelle Identität und Lebensqualität einer Kreativregion definiert sich nicht nur mittels einer repräsentativen und vermarktbaren Hochkultur, sondern maßgeblich auch durch eine inspirierende, eigenwüchsige Kreativszene. Diese steigert das kreative Klima in der Region insgesamt: Davon profitiert wiederum die Hochkultur und gleichzeitig werden Impulse für die Kreativschaffenden in der Wirtschaft geboten. Eine experimentierfreudige kulturelle Szene hat daher eine zentrale Bedeutung für einen vitalen kreativen Standort.

Urbane Politik muss daher neben der Etablierung einer herausragenden Hochkultur die Entstehung und Entwicklung (sub)kultureller Experimentierräume gezielt unterstützen.

Deshalb fordern wir Räume für Experimente - als Kern von kreativen Prozessen und Entwicklungen. Ganz gleich, ob es sich dabei um eine Werkstatt, ein zwischengenutztes Büro, eine Party-Location oder ein langfristiges Atelier handelt. Städtische, landes- und bundeseigene Liegenschaften müssen aktiv auf eine mögliche Zwischennutzung geprüft und angeboten werden; in bestimmten Liegenschaften und Quartieren sollten Unternehmen eine Art Patenschaft für Kreativräume übernehmen. Für privaten Leerstand (z.B. Büroraum) können Konzepte einer sukzessiven kreativwirtschaftlichen, für Eigentümer auch einträglichen Alternativnutzung entwickelt werden. Dies kann - durch Belebung und ein kreatives Klima - den Standort nur fördern. Auch bei der Umgestaltung des nördlichen Mainufers sollte Kreativität Raum erhalten (etwa in Form von mobilen Kunst-Containern, die eine lokale Achse sowie Membran zu Museen, städtischen und regionalen Kreativorten - insbesondere Offenbach - bilden könnten). Als unabhängige Institution zwischen Besitzern und Nutzern ist eine von Speer ins Gespräch gebrachte „Agentur für Ateliers” grundsätzlich begrüßenswert.

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3. Kreatives Schaffen bedarf des Nachwuchses

Gerade die Kreativschaffenden leben von Neuem - neue Ideen und Begegnungen, die Tradiertes in Frage stellen. Ein wesentliches Merkmal für die Beurteilung eines Kreativstandortes ist folglich das Vorhandensein junger kreativer Menschen, mit denen man kooperieren kann. Eine Stärkung der kreativen Ausbildung durch interdisziplinäre Vernetzung ist notwendig, um entsprechenden Nachwuchs in die Region zu bringen. Daran anschließend muss die - interdisziplinäre - Kreativität aber auch hier verortet werden, damit der Nachwuchs nicht wie bisher andere Lebensräume vorzieht.

Deshalb fordern wir ein Kunst- und Kulturhaus: Im urbanen Zentrum fehlt eine feste Spielstätte, die das Zusammentreffen unterschiedlicher Projekte, Kunstgattungen und Kulturformen ermöglicht. Hierzu kann ein offenes Kunst- und Kulturhaus dienen, das sowohl für die Off-Szene als auch für Kunst- und Kulturprojekte des Nachwuchses zur Verfügung steht. Integrierbar wäre dies eventuell in eines der skizzierten Projekte „Campus für Musik und Darstellende Kunst”, „Kulturplattform Osthafenpark”, „Experimentelle Stadtbausteine Osthafen” o. a. (nach A. Speer & Partner).

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4. Kreatives Schaffen benötigt Netzwerke

Ob als Erlebnis- und Entfaltungsplattform „vibrierender Urbanität” oder vielmehr auf Grund prekärer Arbeits- und Lebensform Kreativschaffender: Im engen urbanen Raum entstehen idealerweise inspirierende und produktive Netzwerke, die in Frankfurt Rheinmain noch Entwicklungspotenzial aufweisen. Kreativschaffende sollen nicht in die Suburbia gedrängt werden, sondern bewusst auch im innerstädtischen Bereich etabliert werden, um sich entfalten und unmittelbar vernetzen zu können. Gerade in Frankfurt scheint überdies die Belebung und Bereicherung der City „nach Büroschluss” noch immer nicht zufrieden stellend umgesetzt zu sein.

Deshalb rufen wir zur Bildung einer Plattform für ergänzende Ressourcen auf: Oft sind Kreativschaffende auf nahe liegende kreative Leistungen angewiesen, z. B. Texter, Grafiker, etc. Die synergetische Vernetzung aller kreativen Kräfte einer Region über eine gemeinsame Plattform könnte die benötigten Kreativleistungen schneller, leichter und kostengünstiger vermitteln. Denkbar auch als nicht-monetäre Tauschbörse.

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5. Kreatives Schaffen braucht die Förderung von Eigeninitiative

Das Schöpferische, die Kreation ist ein Prozess - mit dem zentralen Moment des Experiments, dem schwer zu Steuernden. Wer demnach das Kreativschaffen als Standortfaktor oder Produktivkraft kapitalisieren will, muss zwingend auch ausreichende Freiräume zum Experimentieren jenseits der unmittelbaren ökonomischen Verwertbarkeit fördern. Dies war bislang im engen urbanen Raum Frankfurt Rheinmain nicht selbstverständlich.

Hierzu gehört aber auch, dass beispielsweise eine Gastronomie-Pacht u. ä. nicht stets an etablierte Unternehmer oder Ketten vergeben wird, sondern auch an experimentierfreudige unabhängige Kreativschaffende. Diese gilt insbesondere, wenn die Öffentliche Hand Hausherrin ist. Mögliche Spannungen zum Mainstream und - subjektive oder objektive - Risiken sollte eine urbane Gesellschaft (er-)tragen können und im Gegenteil den „kreativen Humus” neuartiger Projekte wertschätzen.

Deshalb fordern wir einfaches Geld für neue Ideen: Mikrokredite für Kreativschaffende. So kann Gründern der Start ins eigene Unternehmen erleichtert und bestehenden Unternehmen beim Ausbau ihrer Tätigkeitsbereiche oder der raschen Umsetzung von Innovationen geholfen werden. Gerade in der momentanen, krisengeprägten Situation sind wir der Überzeugung, dass die Überprüfung sowie Anpassung von Rahmenbedingungen für Kreativschaffende große Chancen für die Region Frankfurt Rheinmain insgesamt birgt.

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6. Kreatives Schaffen erfordert Öffentlichkeit

Insbesondere für Kreativschaffende im Kulturbereich ist eine kontinuierliche öffentliche Wahrnehmung essentiell - zur Generierung von Umsätzen, als Beitrag zum öffentlichen Diskurs, für wechselseitigen Austausch und Weiterentwicklung. Diese Leistungen oder Angebote tragen wesentlich zur Lebensqualität der Bewohner bei und implizieren zudem die Attraktivierung weiterer Zielgruppen (z. B. Nachwuchs/Neubürger, Touristen), diffundieren aber aktuell weitgehend in der Kommunikation und Vermarktung. Wahrgenommen werden fast ausschließlich die Aktivitäten der Hochkultur und Großprojekte, auf die sich auch die Speer’sche Denkschrift erneut stark konzentriert.

Die Kreativregion Frankfurt Rheinmain sollte aus diesem Grund Räume und Plattformen zur verbesserten Sichtbarmachung ihrer Kreativschaffenden unterstützen.

Deshalb fordern wir ein dezidiertes Kreativ-Marketing der Region - einschließlich eines zentralen Informationsmediums, das in enger Zusammenarbeit mit den Kreativschaffenden vor Ort entwickelt und umgesetzt werden soll. Zielführend ist hierbei ein festes Marketingbudget der Region, um die Vielzahl vor allem freier Kreativschaffender und Kulturinitiativen erfolgreich sowie imagewirksam für Frankfurt Rheinmain kommunizieren zu können. Dieses Budget soll Kreativschaffenden in der Region zur Verfügung stehen.

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Fazit

Um diese und weitere Optionen für Frankfurt Rheinmain realisieren zu können, bedarf es des raschen mehrheitlichen Willens zu Veränderung, Mut und Partizipation. Dieser gesamtgesellschaftliche Paradigmenwechsel wird die Art und Weise, wie wir alle in Zukunft leben, arbeiten, kooperieren sowie uns entwickeln massiv verändern beziehungsweise originär neu fassen. Wir als regionale Kreativschaffende können hierzu in unserer Funktion als Innovatoren und Mittler wesentlich beitragen und bieten unsere Mitarbeit in diesem umfassenden Prozess an.

Grundvoraussetzung ist allerdings ein fortgesetzter Dialog mit den entscheidenden Akteuren in Frankfurt Rheinmain und die Eröffnung ernst zu nehmender Gestaltungsräume - vor allem seitens der Politik. Für eine Instrumentalisierung zu Gunsten kurzsichtiger ökonomischer sowie standortpolitischer Ziele stehen wir hingegen nicht zur Verfügung: Dann wird die glaubwürdige, im weltweiten Wettbewerb relevante Kreativregion Frankfurt Rheinmain höchst wahrscheinlich eine schöne Vision bleiben - in der globalen Provinz.

Frankfurt am Main, 09.06.2009

Bastian Bergerhoff, Software-Berater und Projektmanager
Guido Braun, 9pont Werbeagentur
Daniela Cappelluti, Event-Profi und Netzwerkerin
Andrea Ehrig, Kulturmanagement
Annette Ernst, Regisseurin
Mathias Fechter, Luna Park 64 Medien Konzepte Projekte GmbH
Nicole Hohmann, LeseMusikzimmer
Dirk Hülstrunk, Autor, Soundpoet u. Audiokünstler
Bernd Kracke, Präsident der Hochschule für Gestaltung Offenbach
Petra Manahl, Kreative in der Unternehmenskommunikation
Matthias Mayer, Frankfurter Kreativer und freischaffender Künstler
Sebastian Popp, Luna Park 64 Medien Konzepte Projekte GmbH
Helge Bomber Steinmann, Graffitikünstler
Jakob Sturm, basis 1+2, Künstler
Corinna Thiele, Atelier Frankfurt
Sinisa Vdroljak, Musiker und Unternehmer
Wilfried Volkmann, Eltern für Schule e.V.
Sonja Weber, Reitkunst

Hier gibt es das Manifest als PDF zum Download.

DEBATTE

März 30th, 2009

Das Kreativ-Manifest Frankfurt Rhein-Main

Mitgestalten
Die Region sieht sich im Aufbruch und hat dabei die Kreativität entdeckt: Doch das Konzept einer Kreativregion Frankfurt Rhein-Main wird nicht greifen, so lange Kreative als domestizierbarer Standortfaktor und Kulturschaffende als altruistische Kämpfer allenfalls geduldet werden.

Deshalb melden sich hier jetzt Künstler, Kreativarbeiter, Kulturschaffende und Andere aus Frankfurt Rhein-Main zu Wort und möchten die aktuelle Debatte öffnen sowie vorantreiben.

Der fokussierte Blick von Politik und lokalen Akteuren auf Kreative(-Wirtschaft) soll genutzt und der Dialog – neu – begonnen werden, um die Unterstützung und Wertschätzung zu erhalten, die an anderen Orten schon lange selbstverständlich ist.

Jenseits wesentlicher Ideen und Forderungen geht es auch darum, Kreative als Beteiligte und Mitgestalter der Gesellschaft insgesamt mehr einzubinden. Und eben nicht ein weiteres Mal ambitionierte Projekte „Top down“ verenden zu lassen.

Mitreden
Als freie Gruppe Gleichgesinnter wollen wir hierzu möglichst vielfältige Kräfte und Ideen sammeln, bündeln und Ihnen Gehör verschaffen.

Unabhängig von unserem geplanten Manifest, das vor allem Speers kürzlich vorgelegtes Leitbild „Frankfurt für Alle“ ernst nimmt und für unseren Bereich tiefer gehend konkretisiert, regen wir eine stärkere Vernetzung der kreativen Kräfte in der Region an.

Die Initiatoren haben sich seit Anfang 2009 mehrmals zur persönlichen Diskussion getroffen Mit diesem Weblog wollen wir all diejenigen, die keine Möglichkeit zum direkten Austausch haben, einladen sich zu beteiligen.

Kommentare und Diskussionsbeiträge zu den einzelnen Ideen und Vorschlägen sind erwünscht: Hierzu gibt es jeweils die Kommentarfunktion unter den Postings.

Mitentscheiden
Die Diskussionsbeiträge werden von uns gesammelt und ab dem 01.05.2009 zu einem Kreativ-Manifest ausgearbeitet. Je mehr Beiträge und Meinungen wir erhalten, desto vielschichtiger kann unser Papier werden – und um so größer ist die Chance, mit einer mächtigen Zahl an Unterzeichnern öffentlich wahrgenommen zu werden. Gleichwohl behalten wir uns vor, nicht jeden Aspekt aufzugreifen und gehen von der Zustimmung jedes Webblog-Teilnehmers aus, seinen Beitrag ohne explizite namentliche Nennung aufgreifen zu können.

Das so entstehende Manifest soll in einem Treffen am 14.05. verabschiedet werden und dann bis 01.06. möglichst viele Erstunterzeichner zur Veröffentlichung finden.

Wie es anschließend weiter geht, wird von der Reaktion und dem darauf folgenden Dialog mit den politischen Entscheidern abhängen. Als kreative Netzwerk-Teilnehmer werden wir Euch auf dem Laufenden halten oder zur möglichen Umsetzung einladen.

Kreative für Frankfurt Rhein-Main: Produktiver, wilder, bunter mit uns.

Daniela Cappelluti, Mathias Fechter, Petra Manahl, Sebastian Popp

Künstler- und Kulturhaus Frankfurt

März 24th, 2009

In Frankfurt fehlt eine zentrale und feste Spielstätte, die eine Begegnung unterschiedlicher Projekte, Kunstgattungen und Kulturformen ermöglicht. Benötigt wird nichts weniger als ein offenes Kunst- und Kulturhaus besonders auch für die Off-Szene sowie für freie Kunst- und Kulturprojekte. Dabei stellen sich folgende Fragen: Muss ein solches Haus von der Kommune betrieben und finanziert werden? Oder sind andere wirtschaftliche Modelle (mit öffentlicher Unterstützung?) denkbar? Soll oder muss es ein festes inhaltliches Programm geben?

Kreative Kammer Frankfurt

März 24th, 2009

Auch Unternehmer der Kreativbranche sind – großenteils – Zwangsmitglied in der Industrie- und Handelskammer. Erhebliche Mitgliedsbeiträge werden aus der Kreativbranche an die IHK abgeführt.
Ungeachtet der Frage, ob die in Frankfurt von der Finanzbranche geprägte IHK in der Regel die Interessen auch der Kreativbranche vertritt, werden die Bedürfnisse der Kreativen von den Angeboten der IHK oft nicht bedient.
Wünschenswert wäre, dass es eine Institution gibt, die sich an den spezifischen Interessen der Kreativbranche ausrichtet und es unternimmt, als Lobby auftritt und Angebote unterbreitet, die für Kreative zugleich harte und weiche Standortvorteile darstellen, etwa indem sie Netzwerkfunktionen unterstützen.
Vorstellbar ist eine Organisation für Kreative, deren Mitgliedsbeitrag auf den IHK-Beitrag angerechnet (oder aus diesem beglichen) wird und deren Aufgabe es ist, Vorteile zu generieren, die es attraktiv machen, in der Frankfurter Kreativbranche zu arbeiten.

Etwa solche:

  • Museums-Jahreskarte für 50 Euro
  • Vergünstigte Abos für die Frankfurter Bühnen
  • Freier Eintritt zur Buchmesse/Musikmesse/eDIT etc.
  • Gemeinschaftsstand auf Messen
  • Vermittlung von kostenlosen oder rabattierten Werbeangeboten bei städtischen oder anverwandten Medien
  • Organisation von gemeinsamen Marketingaktionen (etwa Events & Werbung)
  • Gemeinschaftsstand beim MUF
  • Vermittlung öffentlicher Aufträge / Ausschreibungsgeratung und -support
  • Studiobesuche, Networking-Events

Ein zentrales Informationsmedium zur Frankfurter Kunst- und Kulturszene

März 24th, 2009

In Frankfurt fehlt ein zentrales Informationsmedium, dass nicht nur über Angebote der Hochkultur oder nicht nur über Veranstaltungen der Off-Szene oder nicht nur über Special-Interest-Projekte informiert. Vielmehr braucht Frankfurt ein Medium, dass der Fragmentierung entgegenarbeitet und über all diese Kunst- und Kulturaktivitäten zugleich informiert. Den vorherrschenden Publikationen sind jeweils nur einzelne Teilaspekte und -bereiche der hiesigen Kulturszene zu entnehmen, die kreative Off-Szene entfällt oft ganz. Die Frankfurter Kulturinteressierten wollen sich aber nicht durch verschiedenste Publikationen mühen müssen, um auf die für sie interessanten Veranstaltungen und Projekte zu stoßen. Von daher bedarf es eines alle Kunst- und Kulturgattungen, alle Vorlieben und Ansätze übergreifendes Informationsmedium. Zu diskutieren wäre, wie dieses zu organisieren wäre: mit welcher Konstruktion und auf welcher technischen Basis (Online? Print?)?

Plattform für ergänzende Ressourcen

März 24th, 2009

Oft benötigen Kreative Dienstleistungen, die selbst wiederum kreative Leistungen darstellen: Zum Beispiel benötigt ein Filmemacher eine Grafikerin zur Erstellung eines Flyers zur Premierenankündigung oder eine Galeristin einen Texter für die Ankündigung der Vernissage oder ein Fotograf einen Webdesigner für die Online-Galerie seiner Bilder… Die Vernetzung aller kreativen Kräfte einer Stadt über eine gemeinsame Plattform – sei es online oder offline – hätte ein unheimliches Synergie-Potenzial für alle Beteiligten. Nicht nur, dass die benötigten Kreativleistungen schneller, leichter und direkter – und damit kostengünstiger – gesucht, gefunden und organisiert werden könnten, denkbar wären darüber hinaus auch non-monetäre Tauschgeschäfte im Sinne von: Tausche Website gegen Fotos o.ä. Eine solche Plattform für ergänzende Ressourcen könnte Kosten und Organisationsaufwand der Kreativen senken und zudem ein inspirierendes Umfeld für die eigene Arbeit bieten.

Einfaches Geld für Ideen, Räume und Experimente

März 24th, 2009

Bei der Auflage kommunaler Konjunkturprogramme im Rahmen der aktuellen Krise sollte darauf geachtet werden, dass hierbei auch die kleinen Unternehmen der Kreativwirtschaft oder einzelne Kreative Berücksichtigung finden können.

Die bestehenden Programme und Maßnahmen der Stadt und anderer (z.B. Land Hessen) müssen daraufhin überprüft werden, wie sie für die spezifischen Bedingungen der Kreativwirtschaft angepasst und geöffnet werden können. Es sollten eine Art „Mikrokredite“ für die Kreativwirtschaft eingeführt werden. Diese könnten Gründern in der Kreativwirtschaft den Start ins eigene Unternehmen erleichtern, bestehenden Unternehmen helfen, ihre Tätigkeitsbereiche auszubauen oder Innovationen schneller umsetzen zu können.

Kreativen Gründern fehlen häufig nur 3.000 bis 4.000 Euro, um den entscheidenden Schritt zu machen. Banken indes weisen solche Kreditersuchen in der Regel ab, weil der Arbeitsaufwand im Verhältnis zum Kreditvolumen zu groß ist. Oft werdenKleinstdarlehen unterhalb von 10.000 Euro benötigt, die innerhalb von 14 Tagen entschieden werden und nicht Beraterkosten in Antragshöhe nötig machen, um die entsprechenden Unterlagen zusammen zu stellen. Eine direkte Vergabe im Gespräch mit dem Antragsteller, könnte auch gleich Hinweise geben, wo ein Konzept vielleicht noch Schwächen enthält und verändert werden muss.

Die Frage, welche Art und was für eine Institution hierfür sinnvoll ist, sollte sehr genau geprüft werden, ist doch eines der zentralen Probleme der Kreativwirtschaft, dass die vorhandenen Ansprechpartner oft nicht in der Lage sind, die Potentiale oder Gefahren realistisch einzuschätzen.

Kreativ-Marketing Frankfurt am Main

März 24th, 2009

Gerade die freie Kreativszene lebt ganz erheblich von einer Vielzahl kleiner und ausgesuchter Gelegenheiten, ihre Arbeiten und Ideen zu präsentieren und zu vernetzen. Mehr als andere Gewerbe nutzt die kreative Branche zwangsläufig die Mittel des Internet, um ihre Angebote zu bewerben und zu vermarkten. Um sich so, aber auch über darüber hinaus Aufmerksamkeit, Kontakte und Märkte zu erschließen, ist Marketing unerlässlich.

Gefordert ist ein festes Marketingbudget der Stadt für freie kreative und Kulturinitiativen, damit sie ihre Veranstaltungen und Projekte bewerben und bekannt machen können. Dieses Budget soll ausschließlich in Frankfurt ansässigen Kreativschaffenden zur Verfügung stehen.

Folgende Angebote könnte es unterbreiten:

  • Anzeigenbudget in Frankfurter Medien
  • Produktionskostenzuschuss für Flyer & Mailings
  • Produktionskostenzuschuss für Plakate & Plakatierung
  • Monatliche Sammelanzeigen in Frankfurter Medien (Strandgut, Journal Frankfurt, FRIZZ, Prinz)
  • PR auf www.frankfurt.de und im WiFö-Kreativnewsletter
  • ggf. Bewegtbildwerbung in Kinos: Produktionskostenzuschuss und Schaltungskosten

Räume für Experimente und für länger…

März 24th, 2009

Die flexible und räumlich bewegliche Kreativwirtschaft braucht Räume. Kreativräume sind der Kern von Entwicklungen: Ganz gleich ob es sich dabei um eine Werkstatt, ein Büro, eine Party-Location oder ein Atelier handelt.

Städtische Liegenschaften müssen aktiv im Hinblick auf Zwischennutzungen geprüft und angeboten werden. Bestehende Firmen, aber auch „start-ups“ oder „ein-Personen-Unternehmen“ könnten hier unterstütz werden. Größere Firmen der Kreativwirtschaft könnten darüber hinaus beauftragt werden, in bestimmten Liegenschaft/Quartieren eine Art Patenschaft für bestimmte Objekte zu übernehmen.

Da Frankfurt nicht mit viel alten Industriequartieren oder stadtnahen Mischgebieten aufwarten kann, müssen die riesigen – teilweise brachliegenden – Büroflächen der Privatwirtschaft als Potential entwickelt werden. Hierfür ist eine aktive Rolle der Stadt gefordert, müssen Bedingungen für den Bestandsschutz, Versicherungsfragen und dergleichen mehr ausgehandelt werden, um die Bereitschaft der Privatwirtschaft zu erhöhen.

Es muss eine Struktur geschaffen werden, die die vorhandenen Informationen bündelt, öffentliche Anfragen bearbeitet und ämterübergreifend koordiniert und im Sinne einer Serviceleistung für die Anfragenden abwickelt. Hier sollen aktiv Konzepte für die – oft kleinteiligen - Bedürfnisse der Kreativwirtschaft entwickelt und umgesetzt werden. Bestehende Reglungen und Verordnungen müssen darauf hin überprüft werden, in wie weit sie für alle Beteiligten vereinfacht werden können. Im Rahmen von Maßnahmen der Nutzbarmachung (Strom, Wasser, Elektrik, Brandschutz) von Objekten für eine Zwischennutzung sollten Unterstützungsmaßnahmen (finanziell und sächlich) entwickelt werden.